Wie bekommt man eigentlich Windeln verschrieben?
Ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass sich manche Windelliebhaber ihre Windeln sogar verschreiben lassen. Laut Phil, einem passionierten Windelträger aus Bayern, scheint das alles auch ganz einfach zu sein:
Phil: "Meine erfolgreichste Aktion war Windelhosen auf Rezept einfach so zu bekommen die kasse hat meinen Spass auch bezahlt !!"
Ich habe dann mal nachgefragt, wie er das angestellt hat:
"Ich habe 4 Jahre in H*** gelernt und habe auch dort gewohnt . Hatte also aucheinen Hausartzt in Hof . Erst habe ich mir immer Windelhosen im Sanitätshaus besorgt und das war mir mit der zeit zudumm und auch zu teuer . Ich hatte mich erkundigt ob mann auch die möglichkeit hat die Windelhosen auf rezept vom Artzt zubekommen . Ich war wegen meinem geringen einkommen bei der Krankenkasse von den zuzahlungen Befreit . Die Verkeuferin hat gesagt es ist auch mit einen Rezept Vom Artzt Möglich die Windelhosen zu bekommen . Dann bin ich schnurstraks zum Hausartzt gegangen der auch jeden Krankgeschrieben hat der gesagt hatt im tut das und das weh. Also habe ich das auch ausgenutzt und gesagt das ich Bettnässer wehre.Und ob es eine Möglichkeit gibt !!"
Und wie hat der Arzt reagiert?
"Er hat gesagt das er mir vorläufig Windelhosen verschreiben würde und er mir einen überweisungsschein zum Urologen mit gibt und ich dort hin gehen solte . Ich hatte somit mein erstes Rezept für Windelhosen die mich nichts Gekostet haben. Beim zweitenmal bin ich hin und habe gesagt das der Urologe mir empfolen hatt das mit den Windelhosen beizu behalden und ich hatte dann zum zweitenmal ein rezept. das konnte ich dann noch 1 einhalbes Jahr noch so machen."
Wow... Und wie machst du es jetzt, kriegst du die immer noch umsonst (beziehungsweise fast umsonst) von der Krankenkasse?
"Ich muss mir die Windelhosen jetzt kaufen aber ich bekomme sie von der Landapotheke billiger weil ich dort schon Stammkunde bin des is auch gut."
Fazit: es scheint auf den Arzt anzukommen. Und: man muss sich trauen...
Meine Meinung zu den daruch entstehenden Kosten (die ja "alle Versicheren" zu tragen haben) ist liberal - als ökonom sage ich nur, das ist ein typischer Public Good - Effekt. Man kann es echt niemandem verübeln, dass er die Incentives nutzt, die ihm gegeben werden. Hieran sieht man mal wieder, wie nur der freie Markt Ineffizienzen wie das Abgeben von Windeln an Nicht-Bedürftige regeln kann. Solange Phil nicht die Kosten zu tragen hat, die er verursacht, ist ihm sein Verhalten (ökonomisch gesehen) nicht übel zu nehmen!
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11 Kommentare:
Andererseits handelt auch ein Räuber der eine Bande BWLer abknallt und ihre Brieftaschen klaut, ökonomisch vollkommen legitim. Eine Patrone ist ja jetzt nicht so teuer. Da frag ich mich doch, ob ich wirklich in einer Gesellschaft leben will, in der ökonomie der einzige Maßstab für den gegenseitigen Umgang ist. Nenn mich altmodisch, aber ich behalte es mir vor Andere auch nach moralischen Kriterien zu bewerten und darum finde ich es ziemlich daneben, die Beitragszahler den eigenen Fetisch finanzieren zu lassen.
Ja, moralisch sicherlich! Was ich halt schlimmer als Phil's Ausnutzen finde ist die Tatsache, dass es diese Incentives überhaupt gibt.
Ich könnte dir jetzt eine Antwort schreiben, aber ich schätze die Kommentarfunktion deines Blogs ist nicht der geeignete Ort für eine Diskussion über solidarische Gesellschaft vs. Neoliberalismus. ;-)
Aber eine Frage. Warum genau benutzt du nicht das dt. Wort Anreiz, sondern diesen furchbar elitären BWL-Neusprech?
Mein Gott (auch wenn ich Atheist bin)....wo soll dieser ganze neoliberale Müll unsere Gesellschaft noch hinführen???
Unsere Spezies differenziert sich ja insbesondere durch Werte wie Solidarität, Verständnis und Empathie vom Tier...oder sind wir also doch nur Primaten?
Naja, es ist traurig die Wandlung eines Landes wie Deutschland zu sehen...Land, welches eigentlich Stolz auf sein ausserordentliches humanistisches Erbe sein sollte.
Ja, diesen Wandel sehe ich auch als bedenklich ein. Er ist jedoch nicht auf zuviel (Neo-)Liberalismus / wirtschaftliches Denken / Globalisierung und öffnung der Märkte zurückzuführen, sondern auf zu wenig davon.
Ich sehe uns Economists in einer schwierigen Lage - alles was mit Wirtschaftlichkeit (sprich rationalem Denken), Effizienz und Globalisierung zu tun hat, ist (zumindest hier in Westeuropa) negativ belegt. Wir haben ein eindeutiges Kommunikationsproblem. Aus der ökonomischen Theorie heraus ist dies auch nicht besonders verwunderlich - schließlich sind z.B. die Gegner einer (zumindest im ökonomischen Modell positiven) Marktöffnung in der Regel besser organisiert als die, die davon profitieren (der weitaus größere Teil, wiederum im Modell). Man denke an die wütenden Proteste von Bauern in Frankreich. Und hier schließt sich auch der Kreis: wir Economists sagen, dass Probleme der ungleichen Verteilung bitte direkt gelöst werden sollen - das heißt durch Umverteilung von den Gewinnern zu den Verlierern. Somit stellt man die gesamte Gesellschaft besser - sowohl der Verlierer als auch der Gewinner haben mehr. Was Moralisten oder Humanisten (bin übrigens eigentlich selber einer) beitragen, ist sicherlich relevant - nur ist es halt ein Umweg, der die Incentives für die Gewinner stört und im ökonomischen Modell also nicht mehr die gesamte Gesellschaft besser stellt, sondern nur noch einige. Viele sagen, es sei auch unfair, den Gewinner noch besser dastehen zu lassen und den Verlierer nur ein bisschen besser. Kann ich aber nicht nachvollziehen - mehr ist immer besser, egal ob man Economist, Moralist oder Humanist ist.
Sorry, aber die These des neoliberalen Philanthropen ist für mich ein Mythos und übrigens auch vollkommen paradox.
Wir gehören da wohl beide auch in zwei ideologische Lager, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten:
Ich bin auch (obwohl schon 29) noch Student eines Master Studienganges, was wohl auch daraus resultiert, dass ich aus einer sozial weniger privilegierten Klasse stamme (Angestellten-/Arbeiterfamilie und der Erste meiner Familie, der die Uni besucht) und die Tatsache meine Miete und mein tägliches Brot zu verdienen zwangsläufig mehr als einmal meinen Cursus studiorum auf die Probe gestellt hat. überflüssig zu sagen, dass Auslandsreisen und mal eben ein Jahr am MIT im Gegensatz zu Dir bei mir leider nicht auf der Tagesordnung standen. Und dabei spricht hier weniger der Neid (es sei Dir gegönnt), als vielmehr der Versuch klarzustellen, dass unsere Weltanschauungen aufgrund eines unterschiedlichen sozialen und kulturellen Backgrounds (korrigiere mich, sollte ich mich irren) quasi gezwungenermassen auseinanderdriften.
Du sprichst von "Euch Economists" und von "ökonomischen Modell", als würde davon jeweils nur eine Gruppe geben, wobei es eben gerade hier eine Vielzahl Paradigmen gibt.
Auch sagst Du "dass Probleme der ungleichen Verteilung bitte direkt gelöst werden sollen", was ich ja theoretisch auch akzeptiere, aber gewissermassen als eine umgekehrte Anarchie bezeichnen würde. Ich denke es ist weder möglich noch vernünftig, dies ohne staatliche Regulierungsinstanzen zu realisieren: Denn in der Demokratie (welche ich jedoch auch bisweilen in Frage stelle) halte ich die Organisation solcher Prozesse seitens des Staates (und ergo laut Theorie seitens des Volkes) für absolut essentiell.
Deine "mehr ist immer besser"-Aussage kann ich auch nicht nachvollziehen...Ihr ökonomen solltet Euch mal ein paar qualitative Modelle aneignen ;-). Desweiteren sprichst Du immer von Gewinnern und Verlieren, als könnte die eine Gruppe nicht ohne die andere existieren... Auch wenn dies manchen utopisch scheinen mag, wäre ich da eher für moderate Gewinner überall. Oder ist der Unternehmer, der etwas weniger Profit und trotzdem schwarze zahlen schreibt automatisch gleich ein Verlierer? Etwas wie Unternehmenskultur gibt es ja heute kaum noch, vielmehr ist ein Grossteil der Firmen zu Geldmaschinen geworden (die wachsende Zahl der Aktiengesellschaften bestätigt dies. Meines Erachtens gehört Spekulation sowieso gesetzlich verboten (hier wird ohne Produktivität, also quasi durch Nichtstun Geld gemacht - un dies zum Nachteil der Masse:
Die kleinen und mittleren Unternehmen werden progressiv von den Grossen vom Markt verdrängt, welche durch die Konzentration der Kapitäler immer grösser und mächtiger werden und damit eine wahrhaftige Monopolstellung aufbauen. Diese Monopolisierung führt zu einer finanziellen und politischen Oligarchie, welche die mehrheitliche Bevölkerung nur noch wie den Bauern auf dem Schachbrett herumschubst und ausnutzt...(mehr noch als es bereits heute der Fall ist)
Kann das die Emanzipation der Menschheit sein???
Vielleicht hatte Marx ja auch in dieser Hinsicht recht und es muss erst der äusserste Grad des Kapitalismus erreicht sein, damit man diesem Modell den Rücken kehrt (und in diesem Fall geschähe dass dann eben leider zwangsläufig und nicht aus Vernunft).
ich finde hier werden in der Grundannahme einfach falsche Annahmen gemacht. Windeln sind defintitiv kein Public Good. Wenn es so wäre, könnte sie jeder ohne Probleme überall frei bekommen.
In diesem Fall musste jedoch gelogen und betrogen werden um an die Windeln zu kommen. Das hat nichts, aber auch wirklich rein gar nichts mit einem Public Good zu tun. Wenn du im Supermarkt eine Packung Kaugummi klaust, werden Kaugummis in deiner Logik vermutlich auch zu einem Public Good. Vielleicht dazu besser nochmal deinen Prof fragen.
Hinzu kommt, dass sich auch der Arzt nicht korrekt verhalten hat, in dem er zu leichtgläubig war. Leider ist es inzwischen so, dass ärzte auf der Hut sein müssen, was ihnen die Leute erzählen, denn nicht zu wenige Lügen beim Arzt dass sich die Balken biegen, nur um etwas verschrieben zu bekommen.
Die schadet vor allen denen, die auf Hilfsmittel wie Windeln dringend angewiesen sind, jedoch durch Leute wie diesen Phil mit viel Misstrauen behandelt werden, und ihr echte Krankheit erstmal durch viele Tests nachweisen müssen.
Dass dieses Verhalten hier noch mit einer ökonomischen Begründung nicht verurteilt wird, finde ich ehrlich gesagt sehr traurig. Betrug bleibt Betrug und gehört verurteilt.
Viele Grüße von einem, der auch ein paar Jahre in Hörsaalen zu dem Thema gesessen hat.
Ich kann es mir in diesem Falle mal nicht verkneifen, ebenfalls ein paar Anmerkungen dazu zu machen - zumal in der sehr heterogenen Menschengruppe der wir hier angehören selten solche Diskussionen zustande kommen.
"Anmerkungen" deshalb, weil ich den grand theories grundsätzlich sehr kritisch gegenüberstehe. Denn solche großen gesellschaftlichen Theorien verkennen - ebenso wie quantitative Forschungsmethoden oft - die Komplexität des Untersuchungsbereiches. Wirklichkeit wird ständig konstruiert und diskursiv ausgehandelt. Jedes Individuum ist unglaublich komplex.
Was mir in den letzten Jahren im Studium und in der eigenen Beobachtung unserer Gesellschaft und der "globalen Gesellschaft" plausibel geworden ist, ist dass eine Verbesserung der Verhältnisse durch kollektiv-gesellschaftliche Strategien eigentlich nicht möglich ist. Wegen der Verschiedenheit der Lebenswelten und eben einfach wegen der ungeheuren Dimensionen dessen was da zu steuern wäre. Alle SYSTEME sind zum Scheitern verdammt. Die oft angestrebte "bessere Welt" kann nur im Individuellen erreicht werden, in Eigenverantwortung. Jeder Mensch muss sich stets selbst überprüfen und sich fragen, welches Leid er anderen direkt oder indirekt zufügt. Leid ist der Maßstab, nicht Grundeinkommen, Generationen-Ausgleich usw.
Im Grunde sind viele Menschen in der Lage, ihr unmoralisches Verhalten zu erkennen, verdrängen aber - insbesondere bei indirekten Verbindungen zu anderen leidfühlenden Wesen - dieses Fehlverhalten sehr effektiv und belügen sich selbst und andere und verschleiern dies in mächtigen Diskursen und gesellschaftlichen Narrationen, denen sie sich verbal anschließen (und ich nehme mich davon nicht aus, sollte das nach einer Moralpredigt klingen). Wer aber das Leid erkennt und an sich arbeitet, dies nicht zu verdrängen und entsprechende Handlungsweisen zu vermeiden, wird sich womöglich bald keinen anderen Weg mehr vorstellen können. Jeder muss bei sich selbst ansetzen und lernen, eigenes Leid und das von anderen zu erkennen.
Womöglich erkennt ihr in diesen Worten leicht eine alte Denkschule wieder und haltet das für unreflektierte Propaganda, aber es ist mir wirklich so gegangen, dass ich durch die eigene Beobachtung erst den Zugang dazu gefunden habe (und dann bei der Lektüre ständig innerlich genickt und äußerlich gelächelt habe). Ich glaube wir Menschen der "westlichen Welt" haben (jeder für sich) gute Chancen zu erkennen wie müßig unser stetes Streben nach dem Mehr oder nach "Gerechtigkeit" im Sinne der "lohnenden Leistung" ist. Natürlich ist es nicht leicht, aus dem Aha-Erlebnis auch ein anderes Verhalten zu entwickeln - und ich mache eine Ausnahme bezüglich des kollektiven Ansatzes: hier würde eine Anleitung und Hilfestellung für viele Menschen notwendig sein -, aber es ist auch sehr schwer, diese Erkenntnis zu verdrängen wenn sie einmal da ist. Wahrscheinlich wird in der Zukunft ein noch härterer "Kampf" zwischen dem in unsere Regionen zurückkehrenden sichtbaren Leid und dem traditionellen Verdrängen entbrennen. Man kann nur hoffen, dass mehr und mehr Menschen erkennen, wie wohltuend es ist, das Richtige zu tun indem Leid grundsätzlich vermieden wird. Die Welt wird nicht langweilig dadurch dass KEINE 10000 neuen Schuhmodelle pro Saison auf den Markt kommen, sondern gerade dadurch. Panisches Grapschen nach dem Erreichen von Glück im Extrem, im Immer-Neuen führt zu einem leeren, bedeutungslosen Leben. Eine Ausnahme mache ich aber auch hier: 10000 Windelmodelle sind natürlich schon notwendig! ;-) Aber das ist ja schließlich meine (unsere) ganz besondere Schwäche, einer der härtesten Kämpfe gegen sich selbst. Ich habe aber so die Vermutung, dass dieser spezifische Kampf auch nur durch Gelassenheit gewonnen werden kann.
Viele Grüße
Floyd
ach... nur ein paar Anmerkungen. Wenn 2 Leute unterschiedlich stark dazugewinnen ändert sich das Verhältnis ihrer Kaufkraft. Sprich: Der der mehr hinzugewonnen hat, hat eine stärkere Kaufkraft demgegenüber, der weniger hinzugewonnen hat. Da die Güter in unserer realen Welt nicht (bis auf die Agrarüberproduktion in der EU ;) endlos vorhanden sind, kann sich der stärkere Gewinner also einen immer größeren Anteil an diesen Gütern leisten. (Wenn wir beide 1Eur haben, Du 1000% Gewinn machst, und ich 2%, dann hast Du 10Eur, ich 1,02. Wenn 2 Güter vorhanden sind, bietet sich ein Preis von 5Eur/Gut an, um maximalen Gewinn zu erzielen, und eben nicht 1,02Eur. Das heisst aber: Du kriegst beide. (stark vereinfacht, aber that's life. BWLer-Theorien brechen doch immer an der Realität))
Sprich: es haben nciht beide gewonnen, sondern Der eine hat stark verloren, denn es besteht ein Wettbewerb zwischen beiden.
Zu den bisherigen Beiträgen würde ich gerne noch einen Kommentar abgeben und die Diskussion lieber woandershin verlagern:
1. sind alle Beiträge auf einem (für eine Windelseite...)ungewöhnlich hohem Niveau und zielen letztlich alle darauf ab, die gegenwärtige Lage zu verbessern
2. eine Internetseite, die gut zu unserer Diskussion passt, ist www.marginalrevolution.com
Und jetzt weiterhin viel Spaß beim Windeltragen!
Dieser Thread hat in der Tat die allgemeine These bestätigt, das Personen mit gehobener Bildung/Position zum Windelfetischismus neigen, um sich vom Alltagsstress zu befreien.
Macht weiter so, und bleibt nass ;-))
BabySteph, der selber in einer Unternehmensberatung arbeitet
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